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Wirecard schafft ein Compliance-Ressort – Bafin durchleuchtet Sonderprüfungsbericht – Aktionäre könnten Klage einreichen

13. Mai 2020
Wie schon länger ankündigt schafft Wirecard ein Compliance-Ressort, das die Einhaltung von Gesetzen und Regeln überwachen soll. Der Bereich wird auf der Vorstandsebene aufgehängt und soll vom 49-jährigen Amerikaner James Freis geführt werden. Der Manager wird entsprechend zum 1. Juli in den Vorstand berufen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Thomas Eichelmann, zeigte sich erfreut, dass er mit ihm einen international anerkannten Compliance Experten gewinnen konnte.
Zudem wird der Vorstand um zwei weitere Sitze auf dann insgesamt sieben erweitert. In einem neu geschaffenen Vertriebsressort soll der zuständige Top-Manager sämtliche Aktivitäten und Strategien steuern. Auch soll das ebenfalls für das Tagesgeschäft zuständige Ressort des Chief Operating Officer in seinen Zuständigkeiten neu aufgestellt und unter eine neue Leitung gestellt werden. Die in den vergangenen Jahren ebenfalls oftmals kritisierte Finanzmarktkommunikation soll überdies direkt beim Finanzchef Alexander von Knoop angesiedelt werden.
Unlängst waren bereits Rufe nach dem Rücktritt von Braun, der selbst rund sieben Prozent an Wirecard hält, laut geworden. So sieht sich der Konzern selbst zwar von den in der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times laut gewordenen Vorwürfen des angeblichen Bilanzbetrugs entlastet, weil die Wirtschaftsprüfer von KPMG keine substanziellen Belege für Bilanzfälschung gefunden haben. Allerdings konnte der Bericht Teile der Vorwürfe nicht ausräumen. Stattdessen hagelte es von den Sonderprüfern Kritik – so seien Dokumente teils verspätet und in unzureichender Form bereitgestellt worden, Gesprächstermine wurden demnach immer wieder verschoben.
Wirecard-Chef Markus Braun wird sich den Angaben zufolge künftig auf die strategische Weiterentwicklung des Dax-Konzerns konzentrieren. Aufsichtsratschef Eichelmann, der erst im Januar Wulf Matthias an der Spitze des Kontrollorgans abgelöst hatte, versucht damit offenbar eine Neuordnung und breitere Verteilung der Macht.
Wirecard will nun auch in Märkten außerhalb Europas verstärkt eigene Lizenzen erwerben oder eigenlizenzähnliche Beziehungen eingehen.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin nimmt die Aussagen des Zahlungsdienstleisters Wirecard vor Veröffentlichung des Sonderprüfungsberichts genauer unter die Lupe.
Die Bafin analysiere mit Hochdruck den KPMG-Bericht und ob es im Vorfeld irreführende Angaben der Wirecard AG gegeben habe. Sobald wir Anhaltspunkte dafür finden, werden wir unverzüglich Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft stellen, sagte Elisabeth Roegele, Chefin der Bafin-Wertpapieraufsicht.
Bei dem Dax-Konzern waren nach dem Abschluss einer Sonderprüfung zu Bilanzfälschungsvorwürfen zentrale Fragen unbeantwortet geblieben. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG meldete in ihrem Bericht zu den Geschäftsjahren 2016 bis 2018, dass wesentliche Unterlagen fehlten – hauptsächlich zum Geschäft mit Drittfirmen, die Zahlungen im Auftrag von Wirecard abwickeln. Deswegen konnten die KPMG-Prüfer auch nicht feststellen, ob den entsprechenden Buchungen auch reale Umsätze entsprechen.
Wirecard weist zurück, dass Umsätze und Kundenbeziehungen manipuliert sind. Vorstandschef Markus Braun hatte immer wieder behauptet, die bilanzierten Umsätze und Kundenbeziehungen aus diesen Geschäften mit Drittpartnern seien authentisch. Der Dax-Konzern wickelt in Ländern, in denen das Unternehmen keine eigenen Lizenzen dafür besitzt, Transaktionsvolumina über Drittpartner ab. An der Transparenz rund um diese Erlöse hatte es in einer Artikelserie der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times Kritik gegeben.

Eine Anwaltskanzlei will Aktionären die Prüfung auf Schadenersatz in Aussicht stellen – Langfristanleger, die irgendwo bei 140 Euro eingestiegen sind, haben natürlich verständlicherweise ein Problem.