Lohnen sich Bonusprogramme?

Je mehr Geld Sie ausgeben, desto mehr können Sie sparen. So ist das Prinzip von Bonusprogrammen im Einzelhandel.

Payback, Miles & More, Ikea Family, DeutschlandCard und viele mehr – die meisten Geldbörsen stecken voller Kundenkarten. Sie reichen von Tankstellen über Drogerien und Modehäuser bis hin zum Bäcker ums Eck.
Drei bis vier solcher Bonuskarten besitzt jeder Deutsche durchschnittlich, wie das Portal Statista ermittelt hat. Die Idee dahinter: Treue lohnt sich; sie zahlt sich sogar aus. Schließlich versprechen die Anbieter Prämien oder Gutscheine, sobald durch Einkäufe bei bestimmten Unternehmen genügend Punkte, Meilen, Stempel oder Herzchen zusammengekommen sind. Bei Payback, dem nach eigenen Angaben mit 28 Millionen aktiven Nutzern größten branchenübergreifenden Bonusprogramm Deutschlands, sind die Karten im Durchschnitt 3,5 Millionen Mal am Tag im Einsatz – und 95 Prozent aller gesammelten Punkte werden dem Unternehmen zufolge wieder eingelöst. Rechnet sich das wirklich?

Wer die Karte einsetzt, erhält häufig nur einen mageren Preisnachlass und wird oft vom Preisvergleich bei der Konkurrenz abgehalten, warnen die Verbraucherzentralen in Deutschland.

Die Bonusprogramme verändern demnach unser Einkaufsverhalten: Menschen kaufen lieber da ein, wo es Punkte gibt, aber nicht unbedingt das günstigste Angebot. Zudem haben die Verbraucherschützer festgestellt, dass Preisnachlässe nicht mehr so leicht gewährt werden. Kunden, die über den Preis verhandeln möchten, würden mit dem Hinweis auf die Kundenkartenrabatte abgewimmelt. Der Verbraucher zahlt also den ausgewiesenen Preis, sammelt Punkte und kommt wieder, um noch mehr Punkte zu sammeln. Ein Paradebeispiel für Kundenbindung. Ein Nachteil für den Kunden sei zudem, dass das Einlösen der Punkte nur innerhalb bestimmter Fristen möglich ist. Dadurch werde die Jagd nach Prämien noch weiter befeuert.
Lohnen kann sich eine Kundenkarte allenfalls in Verbindung mit Sonderaktionen, zum Beispiel mit zusätzlichen Gutscheinen über fünf oder zehn Prozent.

Legt der Verbraucher beim Einkauf seine Kundenkarte vor, ist er nicht mehr anonym. Aus den im Kartenantrag freiwillig gemachten persönlichen Angaben können zusammen mit den Umsatzdaten Nutzungs- oder sogar Kundenprofile erstellt werden (gläserner Kunde).
Genutzt werden die Daten, um beispielsweise Werbekampagnen darauf abzustimmen. Durch Payback können Unternehmen ihren Kunden gezielt auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Angebote machen, erklärt Payback auf der firmeneigenen Webseite. Dort steht jedoch auch, dass die Adressen der Kunden nicht verkauft würden und personenbezogene Daten beim Unternehmen blieben. Dennoch raten die Verbraucherzentralen:
Wer beim Datenschutz auf Nummer Sicher gehen will, sollte im Zweifel die Finger von Rabattkarten lassen.

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